Senioren im Museum

„Auf einen Schwatz – ins Museum!“ – damit hat das Deutschordensmuseum Bad Mergentheim ab 2010 ein passendes Angebot für Senioren und Seniorinnen entwickelt. 2016 wurde ein integratives Kulturprojekt für Menschen ohne und mit beginnener Demenz ins Leben gerufen.

Bei einem Termin
Bei einem Termin "Schwatz im Museum" in einer Sonderausstellung (Foto: Deutschordensmuseum)

Auf einen Schwatz - ins Museum!
Angebot zum Buchen für Seniorengruppen

In gemütlicher Runde wird zunächst ein ausgewähltes, attraktives Objekt im Museum betrachtet. Die Museumsführerin stellt es kurz vor und erläutert dabei seinen historischen Hintergrund.
Dieser viertelstündigen "Vorstellungsrunde" schließt sich ein Gespräch oder eine kleine Aktion an - in entspannter Atmosphäre, bei Kaffee oder Tee soll das Objekt "beschwätzt" werden. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollen dabei zu Wort kommen, es soll aber auch allen zugehört werden. 

Zahlreiche Themen sind vorbereitet und können auf Nachfrage gebucht werden, beispielsweise
"Kräuter aus der Engel-Apotheke"
"Septembermorgen: Gedichte von Mörike und anderen"
"Oh, wie flüchtig ist die Zeit: Uhren"
"Handwerk in Mergentheim: Zinngießer" oder
"Weihnachtliches im Museum" und viele Themen mehr.

Info:
Anfragen und Anmeldung unter Tel. 07931/52212

Integratives Kulturprojekt für Menschen ohne und mit beginnender Demenz
in Kooperation mit dem Eduard-Mörike-Haus – gemeinsam Erinnerungen wecken

Ab Sommer 2016 dachte der Arbeitskreis Museumspädagogik über ein kulturelles Angebot für Menschen mit und ohne Demenz nach. Mit dem Eduard-Mörike-Haus in Bad Mergentheim und dem Hausoberen Stefan Haberl fand es einen Partner, den die Idee einer Kooperation genauso begeisterte wie die Idee der "Nachhaltigkeit" eines zu erarbeitenden Programms. Auf diese Weise wäre auch der sozialen Isolation gegenzusteuern, der insbesondere Menschen mit beginnender Demenz unterlägen.

Zunächst stand ein Termin des Arbeitskreises Museumspädagogik im Eduard-Mörike-Haus auf dem Programm. Stefan Haberl führte in das Thema "Demenzielle Erkrankungen" ein. Welche Ursachen sind bekannt? Wie ist mit den Auswirkungen der Krankheit umzugehen? Welche Themen sind interessant? Was ist für die Ausarbeitung des Programms wichtig? Im Gespräch kam man überein, eine gemischte Gruppe als Zielgruppe anzusprechen – Menschen mit und ohne Demenz zu einem kulturellen Angebot im Museum zusammenzubringen.

Der Raum zur Durchführung im Museum solle „beschützend“ und heimelig sein, Rituale sollten Sicherheit geben, diejenigen, die die Termine durchführen würden, sollten als „Impulsgeber“ Raum für eigenes Erzählen der Teilnehmenden lassen, gleichzeitig fordernd wirken. Das Museumsteam entwickelte im Anschluss an die Einführung vier Ziele für seine Arbeit: Wir sorgen für Abwechslung im Alltag der Bewohner. Wir wollen Anregungen bieten und die Menschen fordern. Die Menschen sollen sich bei uns wohl fühlen, Freude haben. Wir nehmen die Menschen in ihrer Krankheit ernst.

Ein Thema für fünf Termine im Museum war bald gefunden: „Kurbad Mergentheim“ mit den Bereichen Quellentdeckung, Quellen in Mergentheim, Kurcafés, Souvenirs, Berühmte Kurgäste. Man versprach sich davon, Erinnerungen an Besuche im Kurbad zu wecken und an das persönliche Erleben der Teilnehmenden anzuknüpfen. Im Januar 2018 ging es an die Umsetzung des Gelernten und Vorbereiteten. Im Götterzimmer des Museums war ein geeigneter Raum für den Hauptteil des Nachmittags gefunden worden; nach dem Empfang und der Begrüßung der Gruppe im Eingangsbereich konnte der Aufzug genutzt werden, um in den ersten Stock zu gelangen. Stefan Haberl brachte die Bewohnerinnen – es hatten sich ausschließlich Frauen für das Thema angemeldet – mit dem Bus zum Museum und begleitete die Gruppe zu jedem Termin, der von der Museumspädagogik detailliert vorbereitet war. Nach der Begrüßung gab es eine Hinführung zum Thema, dann ein Gang in den Kurbadraum des Museums. Zurück im Götterzimmer wurde das Thema durch Aktionen und Aktivitäten vertieft, zum Schluss fand eine gemeinsame Kaffeerunde statt.

Die Evaluation nach den fünf Terminen ergab große Zufriedenheit auf beiden Seiten. Man stellte eine heitere und positive Grundstimmung fest, die eine stressfreie Durchführung ermöglichte. Die teilnehmenden Bewohnerinnen des Eduard-Mörike-Hauses waren begeistert, vom Thema und vom Schloss, das als besondere Umgebung wahrgenommen wurde. Sie profitierten von dem Angebot. Hausdirektor Stefan Haberl meint: „In diesem Rahmen war es für ältere Menschen und Menschen mit Demenz möglich, geschichtliche Themen zu erleben und durch die sehr lebendige Präsentation zu spüren. Die kleinschrittige Aufbereitung der Themen und die anschauliche Vermittlung machten es möglich, sowohl Neues zu erfahren, als auch eigene Erinnerungen und eigenes Wissen wieder abzurufen und erlebbar zu machen“ und Museumsdirektorin Maike Trentin-Meyer stellt fest: „Es war schön, zu sehen, wie Erinnerungen geweckt werden konnten und die Teilnehmerinnen immer lebendiger wurden.“

Eine Neuauflage des Kulturprojekts ist in Arbeit und wird ab Frühjahr 2019 durchgeführt. Diesmal wird es um die Puppenstuben und die Themen Wohnen, Kinder, Spielzeug, Einkauf, etc. gehen – ebenfalls ein Bereich mit großem Potenzial für eigene Erinnerungen.

Info:
Das Projekt ist im Museum auf Nachfrage für weitere Einrichtungen zu buchen.
Sprechen Sie uns an unter Tel. 07931/52212