Geschichte des Museums

Die Geburtsstunde des Museums schlug im Frühjahr 1864, als der Stadt Mergentheim die reichhaltige „Altertumssammlung“ des württembergischen Majors a.D. Carl Joseph von Adelsheim (1790-1864) testamentarisch zufiel.
Edwin Beyer, Karl Fleck, 1933 (Foto: Deutschordensmuseum)

Edwin Beyer, Karl Fleck, 1933 (Foto: Deutschordensmuseum)

Die „Carl Joseph von Adelsheim’sche“ bzw. „Städtische Altertumssammlung“ fand nun für 63 Jahre in einem Zimmer des Mergentheimer Rathauses ein öffentlich zugängliches Domizil. Vermögende Kurgäste und wohlhabende Bürger der Stadt überließen dem Museum ihre Schätze aus Ankäufen und Familienbesitz, die Stadtverwaltung steuerte gelegentlich ausrangierte Gerätschaften aus dem kommunalen Fundus bei oder erwarb einschlägige Objekte im Antiquitätenhandel. Im Mai 1927 wurden die nach und nach erweiterte „Städtische Altertumssammlung“ in fünf Räume im zweiten Obergeschoß des Mergentheimer Schlosses, in den einstigen „Kapitelsaal“ und seine Nebenräume, verlagert und im September 1928 der sehr rührige Oberpostmeister Karl Fleck (1862-1944) zum ersten ehrenamtlichen Museumspfleger bestellt.

Im Juli 1930 konstituierte sich ein Verein „Bezirksheimatmuseum e.V.“ als neuer Träger der örtlichen Einrichtung, der die bisherige Museumsarbeit auf eine wesentlich breitere Grundlage stellte. Unter dem Vorsitz von Landrat und Stadtschultheiß bzw. Bürgermeister wurden fortan „geschichtliche und naturkundliche Gegenstände“ aus dem ganzen Oberamts­bezirk bzw. Landkreis Mergentheim von vielen engagierten Mitgliedern gesammelt und präsentiert. Sonderausstellungen, Vorträge und Führungen im Museum sollten der „Pflege der Heimatkunde“ und der „Belebung der Heimatliebe“ dienen. Die „Städtische Altertumssammlung“ wurde dem Bezirksheimatmuseum als Dauerleihgabe „zu treuer Pflege und zu treuen Händen“ überlassen und bildete den Grundstock der allmählich anwachsenden Sammlungen. 

Der 100. Geburtstag des Dichters Eduard Mörike (1804-1875) hatte bereits den Anstoß zu einer kleinen Sammlung von Objekten, Briefen und Schriften  gegeben. Schon in den ersten vier Jahren des Bezirksheimatmuseums konnten über 400 neue, größtenteils volkskundliche Objekte den Museumsbeständen zugeführt werden. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Relikte der vor- und frühgeschichtlichen Zeit aus dem Oberamt bzw. Landkreis, die Museumsleiter Karl Fleck als ehrenamtlicher Bezirkspfleger des Landesdenkmalamtes in rastloser Tätigkeit ergrub und erwarb. 

Flecks Nachfolger im Amt des Museumspflegers seit 1937/38, Gewerbeschulrat Edwin Beyer (1877-1951), sorgte im Benehmen mit staatlichen Stellen für eine neue chronologische Aufstellung der durch Angliederung zusätzlicher Räume auf eine Ausstellungsfläche von etwa 530 Quadratmetern erweiterten Schausammlung.  

Der im Kultur- und Bildungswesen der Stadt Bad Mergentheim sehr aktive Oberstudiendirektor a.D. Karl Heck (1888-1975) orientierte sich als Museumspfleger ab Ende 1950 zunächst an den überkommenen Sammlungsschwerpunkten. 

Angesichts des Verlustes der deutschen Ostgebiete jenseits von Oder und Neiße mit den einstigen Ordensresidenzen Marienburg und Königsberg als Resultat des Zweiten Weltkrieges rückte jedoch zunehmend die Glanzzeit Mergentheims als Residenz der Hoch- und Deutschmeister von 1527 bis 1809 und damit auch die allgemeine Geschichte des Deutschen Ordens in den Mittelpunkt des Interesses. Nach vielfältigen Vorbereitungen konnte Karl Heck im Juli 1961 als Ergänzung zu dem im Westflügel des zweiten Obergeschosses untergebrachten Bezirksheimatmuseum in angrenzenden Schloßräumen des Südflügels ein „Deutschordensmuseum“ eröffnen. Die Geschichte des Ordens und seiner Residenzen fand hier vorwiegend durch Schaukarten, Pläne, Reproduktionen von alten Abbildungen sowie Schloßmodelle ihre Darstellung. Beide Teilmuseen wiesen nun eine Ausstellungsfläche von insgesamt ca. 850 Quadratmetern auf.

Vier Jahre lang infolge Renovierungsarbeiten und Umbaumaßnahmen geschlossen, wurde die Schausammlung von dem neuen Museumspfleger, Amtsgerichtsdirektor Dr. Fritz Ulshöfer (tätig 1969-1991), und seinen freiwilligen Mitarbeitern im Juni 1973 in überarbeiteter Aufstellung als „Deutschordensmuseum“ wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Publikumsmagnet erwies sich fortan eine reichhaltige Auswahl von Puppenstuben, -küchen und Kinderkaufläden (ca. 1820-1920) aus der Sammlung von Johanna Kunz aus Stuttgart-Heumaden, die durch Vermittlung eines Stuttgarter Volkskundlers in die Museumsbestände gelangt war. Das Herzstück des Museums bildeten jetzt neben dem ehemaligen Kapitelsaal die bis 1983 nach und nach restaurierten Räume der einstigen Hochmeisterwohnung im Südflügel mit ihren prächtigen Stuckdecken, die mit höfischem Mobiliar und Hochmeisterporträts - größtenteils Leihgaben - sowie Darstellungen zur Ordensgeschichte ausgestattet wurden.

Seit dem 1. Juli 1991 wird das Deutschordensmuseum von einer GmbH mit den Gesellschaftern Land Baden-Württemberg, Stadt Bad Mergentheim, Museumsverein und Main-Tauber-Kreis betrieben. Durch eine großzügige Sanierung des inneren Schlosses in Bad Mergentheim wurden 1989 bis 1996 schrittweise die baulichen Voraussetzungen für die räumliche Erweiterung und den inhaltlichen Ausbau des Deutschordensmuseums zu einem „qualifizierten Museum mit überregionaler Ausstrahlung“ geschaffen. Erstmals wird das Museum nun von einer hauptamtlichen Fachkraft geleitet, die zugleich Geschäftsführer(in) der GmbH ist - von 1991 bis Ende 1995 bekleidete Dr. Albert Boesten-Stengel diese Doppelfunktion, 1996-1999 Dr. Regina Hanemann, seit dem Jahr 2000 amtiert Maike Trentin-Meyer M. A., alle qualifizierte Kunsthistoriker.